Formale Kultur: Boccaccio

Bei der Lektüre in Francesco de Sanctis’ Storia della letteratura italiana frage ich mich, wie die ältere Literaturwissenschaft so sicher werten konnte, was als Blüte und was als Verfall einer Kultur galt. Oder ob der Relativismus der heutigen Literaturwissenschaft – der selbst ja Geschichtsschreibung à la Vico als banalen Dreischritt von Anfängen, Höhepunkten und Verfallsphasen entlarvt – selbst zur äußerlichen Formkunst geraten ist, die nicht mehr mit einer Lebensweise verbunden ist, Autonomisierung, Ausdifferenzierung, aber eben auch Standpunkt- und Relevanzverlust.

De Sanctis in Kap. IX, 2 seiner Literaturgeschichte leitet zu Boccaccio über, indem er erklärt: „Die Sprache war noch dieselbe, aber hinter den Worten stand nicht mehr die Sache selbst“ (“Il linguaggio era lo stesso, ma dietro alla parola non ci era più la cosa.” IX, 3).

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Dante und Puccini

Diese Woche in der Regensburger Oper gewesen, eine Doppelaufführung von zwei Kurzopern, die im selben Jahr uraufgeführt wurden (Kritik).

Die so viel gehörte Arie „O mio babbino caro“ trat diesmal für mich zurück hinter das leuchtend Patriotische von „Firenze è come un albero fiorito“, zugleich verdunkelt sich später die Stadt wieder mit Gianni Schicchis doppeltem Erbbetrug. Wenn Schicchi erwischt und mit amputierter Hand ins Exil muss, wie Dante selbst.

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