Laudatio für Monika Zeiner

Laudatio[1] für Monika Zeiner zur Vergabe des Comburg-Stipendiums 2016

Kai Nonnenmacher (Univ. Regensburg),
Schwäbisch Hall, Rathaus, 19. Oktober 2016

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Stadt und der Kultur, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Wilhelm, sehr geehrter Herr Direktor Soppa, verehrte Monika Zeiner, liebe Organisatoren des Preises, Jurymitglieder, liebe Leserinnen und Leser,

Eingangs will ich Ihnen eine Frage stellen, allen Verheirateten und Geschiedenen und allen mit Partner und ohne Partner, vielleicht finden wir in den folgenden Minuten ein paar mögliche Antworten: Schließen sich Liebe und Ehe nicht in Wirklichkeit aus? Überfordern wir uns damit, das hohe Ideal und die bürgerliche Versorgungsehe zusammenzuzwingen? Was hat Sie das Leben bisher gelehrt? Was dachten wir einmal darüber? Und wie denken wir heute? – Nicht nur wegen dieser Frage ist es ein besonderes Vergnügen, auf Monika Zeiner eine kleine Lobrede halten zu dürfen, auf eine Autorin, die so lebt wie sie schreibt, und die doch das Leben als Rohstoff poetischer Freiheit durchsichtig werden lassen kann.

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Bildgebende Verfahren und Haute Couture: Daniele Del Giudice

Albert Einstein hatte von Gravitationswellen gesprochen – und also von Krümmungen in der Raumzeit –, die heute in einer Pressekonferenz als bewiesene Phänomene vorgestellt wurden, die Wissenschaftspresse spricht von einer Sensation. Mir fällt hier der Roman des Italieners Daniele Del Giudice ein, Atlante occidentale (Der Atlas des Westens), in dem zwei ganz wesensverschiedene Forscher – Mark und Brahe – die Nacht im Labor verbringen, beide mit ganz anderen Erinnerungen später an diese Nacht der Entdeckung.

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Formale Kultur: Boccaccio

Bei der Lektüre in Francesco de Sanctis’ Storia della letteratura italiana frage ich mich, wie die ältere Literaturwissenschaft so sicher werten konnte, was als Blüte und was als Verfall einer Kultur galt. Oder ob der Relativismus der heutigen Literaturwissenschaft – der selbst ja Geschichtsschreibung à la Vico als banalen Dreischritt von Anfängen, Höhepunkten und Verfallsphasen entlarvt – selbst zur äußerlichen Formkunst geraten ist, die nicht mehr mit einer Lebensweise verbunden ist, Autonomisierung, Ausdifferenzierung, aber eben auch Standpunkt- und Relevanzverlust.

De Sanctis in Kap. IX, 2 seiner Literaturgeschichte leitet zu Boccaccio über, indem er erklärt: „Die Sprache war noch dieselbe, aber hinter den Worten stand nicht mehr die Sache selbst“ (“Il linguaggio era lo stesso, ma dietro alla parola non ci era più la cosa.” IX, 3).

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Dante und Puccini

Diese Woche in der Regensburger Oper gewesen, eine Doppelaufführung von zwei Kurzopern, die im selben Jahr uraufgeführt wurden (Kritik).

Die so viel gehörte Arie „O mio babbino caro“ trat diesmal für mich zurück hinter das leuchtend Patriotische von „Firenze è come un albero fiorito“, zugleich verdunkelt sich später die Stadt wieder mit Gianni Schicchis doppeltem Erbbetrug. Wenn Schicchi erwischt und mit amputierter Hand ins Exil muss, wie Dante selbst.

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