Balzac und die Totalität der Welt: Lukács

Mit der Serialität von Fernsehserien kam wieder das Interesse an der Totalität des Erzählens in die Debatte, die mit Hegels „objektivem Erzählen“ das Epos meinte und damit eine Einheit, eine Form der Gesellschaft, welche doch in der Spät- und Postmoderne durch Differenzkonzepte im politischen Denken ersetzt wurde.

Bei der Lektüre von Georg Lukács’ Theorie des Romans begegnet mir Balzac im Kapitel „Versuch einer Typologie der Romanform“, mit einer doppelten Paradoxie, er schreibt, „Episch gestaltet ist doch nur das einzelne, das Ganze ist nur zusammengefügt“. Das heißt auch, das Einzelne hat nicht mehr, wie bei Torquato Tassos Discorsi über das Epos, die Spannung zwischen Vielheit und Einheit zu halten, denn kein Teil hat bei Balzac mehr Notwendigkeit in Bezug auf das Ganze. Totalität ist bei Balzac nurmehr „Ahnung eines Lebenszusammenhangs,, […] großer lyrischer Hintergrund“. Deshalb schreibt Lukács:

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Malerei als Politik: Pierre Michon

J’ajoute ceci : dans l’un et l’autre cas, mise à mort ou apothéose de Robespierre, il fallait que le tableau fût juste, fonctionnât ; que Robespierre et les autres pussent y être vus comme des Représentants magnanimes, ou comme des tigres altérés de sang, selon que les faits exigeassent l’une ou l’autre lecture. Et que Corentin l’ait peint et réussi dans ce sens, dans les deux sens, voilà bien sans doute une des raisons pourquoi Les Onze sont dans la chambre terminale du Louvre, le saint des saints, sous la vitre blindée de cinq pouces.

Pierre Michon, Les Onze, II,3.

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Handlung und Idee: Madame de Staël

Madame de Staël schreibt ihre frühe kontrastive Betrachtung De l’Allemagne, nachdem sie Aufenthaltsverbot in Paris erhalten hat, anlässlich einer Reise zu den deutschen Nachbarn teils in Begleitung Schlegels, bis die Nachricht des Tods ihres Vaters sie zurückruft.

Kühn, aber folgsam: Das Bild der so wenig gewandten Nachbarn ist aus französischem Blick widersprüchlich, gehorsam im Handeln, aber unabhängig in Gedanken, umgekehrt der Franzose. Bleiben diese Sphären demnach bei beiden getrennt?

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Houellebecq als Dandy des Hässlichen – Konversion

Der Dandy als Figur der ästhetischen Opposition wie bei Huysmans und seiner Figur Des Esseintes ist in Houellebecqs Medienbild mit den Abscheu erzeugenden Zeichen abgerauchter Zigaretten, mit strohigem Haar, Plastiktüte und teilweise seltsamer Kleidung umgekehrt worden.

Viel zu wenig wurde bisher über die Konversion am Schluss des Romans (der ursprünglich nicht in Anspielung auf den „Islam“ Soumission, sondern Conversion heißen sollte) gesprochen:

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