Konversion als Tabula Rasa

Für die Tagung „Mythos und ‚Tabula Rasa‘: absoluter Anfang und totale Auslöschung als Denkform“ des Graduiertenkollegs „Deutungsmacht“ in Rostock sitze ich an Texten über die religiöse Konversion.

„Inwiefern ist das Gründungspotential des Mythischen generell oder im Einzelfall gebunden an Vorstellungen der totalen Zerstörung, der absoluten Auslöschung, des unbedingten Neuanfangs, der Tabula rasa? Ausgehend von dem in der Forschung bisher stets profilierten konstruktiven Gründungspotential des Mythischen will die interdisziplinäre Tagung die destruktive, Auslöschung voraussetzende oder anstrebende Dimension von Mythen aufzeigen: Gibt es eine komplementäre oder widerständige Seite mythischer (Gründungs-)Narrative, die Konstruktionen des Nullpunkts – insbesondere in Deutungskonflikten – erfordern oder begünstigen? Es sollen historische und politische Konstellationen sowie narrative und ästhetische Strategien in den Fokus gestellt werden, die die Denkformen vom Kahlschlag repräsentieren und in ihrer Relation mit mythischen Gründungserzählungen illustrieren.“ (Tagungstext)

Bei der Lektüre von Claudel, Huysmans und Gide kommt eine so andere Offenheit für die Zukunft auf als in Houellebecqs desinteressiertem Islam-Konvertiten, der Huysmans zugleich entmystifiziert. Hier wird die Konversion eher zum müden Zusammensacken als zu einer Hinwendung auf eine (künftige) Wahrheit.