Houellebecq als Dandy des Hässlichen – Konversion

Der Dandy als Figur der ästhetischen Opposition wie bei Huysmans und seiner Figur Des Esseintes ist in Houellebecqs Medienbild mit den Abscheu erzeugenden Zeichen abgerauchter Zigaretten, mit strohigem Haar, Plastiktüte und teilweise seltsamer Kleidung umgekehrt worden.

Viel zu wenig wurde bisher über die Konversion am Schluss des Romans (der ursprünglich nicht in Anspielung auf den „Islam“ Soumission, sondern Conversion heißen sollte) gesprochen:

La cérémonie de la conversion, en elle-même, serait très simple; elle se déroulerait probablement à la Grande mosquée de Paris, c’était plus pratique pour tout le monde. […] Le silence se ferait autour de moi. Des images de constellations, de supernovas, de nébuleuses spirales me traverseraient l’esprit; des images de sources aussi, de déserts minéraux et inviolés, de grandes forêts presque vierges; peu à peu, je me pénétrerais de la grandeur de l’ordre cosmique. Puis, d’une voix calme, je prononcerais la formule suivante, que j’aurais phonétiquement apprise: « Ach-Hadou ane lâ ilâha illa lahou wa ach-hadou anna Mouhamadane rassouloullahi. » Ce qui signifiait, exactement: « Je témoigne qu’il n’y a d’autre divinité que Dieu, et que Mahomet est l’envoyé de Dieu. » Et puis ce serait fini; je serais, dorénavant, un musulman.

Abgesehen von der signifikanten Wendung ins Konjunktivisch-Konditionale ist die Konversion hier eine bloße Als-Ob-Umwendung, eine phonetische Oberfläche, die der Roman ja auch Huysmans zuweist, der nur aus Gründen der Bequemlichkeit und nicht der existenziellen Verzweiflung den Bruch vollzieht, der ja auch noch als Ende bezeichnet wird.

Damit wäre die Regression und der Gang zurück vor die Aufklärung, die der Roman laut den Medienstimmen propagiert, eine bloße müde Erschlaffung.

Auffällig war für mich, wie sehr die Teilnehmer an der Tagung, die den Roman nicht gelesen hatten, davon ausgingen, er handle von islamischem Terror. Dabei wird doch die Selbstislamisierung Frankreichs in Soumission durch demokratische Wahl erzählt. Die Anschläge bei Erscheinen sind gleichsam mit dem Text verwoben, auch wenn Terrorismus darin nur zweimal negativ thematisiert wird.

(Eine Idee, die ich bei einem Vortrag in Rostock zur „Tabula Rasa“ über die Modernität der Konversion zwischen 1900 und der Konversion 2015 in Soumission vertreten habe.)