Dante und Puccini

Diese Woche in der Regensburger Oper gewesen, eine Doppelaufführung von zwei Kurzopern, die im selben Jahr uraufgeführt wurden (Kritik).

Die so viel gehörte Arie „O mio babbino caro“ trat diesmal für mich zurück hinter das leuchtend Patriotische von „Firenze è come un albero fiorito“, zugleich verdunkelt sich später die Stadt wieder mit Gianni Schicchis doppeltem Erbbetrug. Wenn Schicchi erwischt und mit amputierter Hand ins Exil muss, wie Dante selbst.

Ich frage mich, wie man bei der Uraufführung 1918 in New York, direkt am Ende des Ersten Weltkrieg, so eine Szenerie aufgenommen haben mag.

Hier die besagte Arie in einer Aufführung der Central City Opera 2011:

Grundlage waren bekanntlich die V. 32 ff. im XXX. Gesang des Inferno über den im achten Kreis der Hölle tobenden Gianni Schicchi, der sich als Buoso Donati ausgibt und dessen Testament fälscht, um sich so das beste Tier aus dessen Stall zu sichern.

E l’Aretin che rimase, tremando
mi disse: „Quel folletto è Gianni Schicchi,
e va rabbioso altrui così conciando“.

„Oh“, diss’io lui, „se l’altro non ti ficchi
li denti a dosso, non ti sia fatica
a dir chi è, pria che di qui si spicchi“.

Ed elli a me: „Quell’è l’anima antica
di Mirra scellerata, che divenne
al padre, fuor del dritto amore, amica.

Questa a peccar con esso così venne,
falsificando sé in altrui forma,
come l’altro che là sen va, sostenne,

per guadagnar la donna de la torma,
falsificare in sé Buoso Donati,
testando e dando al testamento norma“.

E poi che i due rabbiosi fuor passati
sovra cu’ io avea l’occhio tenuto,
rivolsilo a guardar li altri mal nati.

nach Streckfuß:

Der Aretiner, der voll Angst geblieben,
Sprach: „Schicchi ist’s, der tolle Poltergeist,
Der solch ein wüthend Spiel schon oft getrieben.“

„Wie du geschützt vor Jenes Zähnen seist,“
Entgegnet’ ich, „so sprich, eh’ er entronnen,
Wer dieser Schatten ist, und wie er heißt.“

„Die Myrrha ist’s, die schnöden Trug ersonnen,“
Erwiedert’ er, „die mehr als sich gebührt,
Vor alter Zeit den Vater liebgewonnen,

Und die mit ihm das Werk der Lust vollführt,
Weil sie die fremde Form sich angedichtet;
Wie Jener, der Capocchio dort entführt,

Weil Simon ihn durch’s beste Roß verpflichtet,
Als falscher Buoso sich ins Bett gelegt
Und so für ihn ein Testament errichtet.“

Als nun die Tollen sich vorbeibewegt,
Ließ ich mein Auge durch die Tiefe streichen,
Und sah, was sonst der Schlund an Sündern hegt.

Gerchow hat die geldgierige und dann ihrerseits betrogene Patrizierfamilie aus der Oper in Reinhardts schönem Sammelband vorgestellt.

Jan Gerchow: Donati. In: Volker Reinhardt (Hrsg.): Die großen Familien Italiens. Kröner, Stuttgart 1992